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VD

Eine Journalistin fragte mich heute, ob ich "bereue", so wie Kardinal Ratzinger das verlangt?

"Was soll ich bereuen", fragte ich zurück", "dass ich als Frau geboren wurde... dass ich nicht als männliches, sondern als weibliches Wesen das Licht dieser Welt erblickte? Sind denn", so fragte ich, "mein Ich", "mein Sein", "mein Wesen", "mein Körper" von mir geschaffen? Habe ich mich so, wie ich jetzt bin, angelegt? Habe ich meiner Seele einen weiblichen Körper mit auf den Weg gegeben?

Die Journalistin und ich einigten uns darauf: "Frauen sind für ihren weiblichen Körper nicht verantwortlich", und ich überlegte weiter: "Mein Wesen begann vom ersten Moment an mit der Konstellation 'weiblich', weit bevor ich ein eigenes Bewußtsein, eine eigene Entscheidungsfreiheit, eine persönliche Identifikation erreichen konnte. Weit bevor ich selbst bemerkte, dass ich als Frau durch dieses Erdenleben gehen würde, weit bevor ich eine Kirche erleben mußte, die mir als Frau eine unterwürfige Stellung allein auf Grund meines Geschlechtes zuweisen würde. So können wir Frauen gar nicht für unsere Weiblichkeit verantwortlich sein: Nicht für unsere Existenz und nicht für unser Geschlecht. Auch unseren Eltern können wir nicht die Verantwortung dafür geben, dass wir so sind. Sie haben uns einen biologischen Körper gegeben, bei dem nach dem Zufallsprinzip das X Chromosom zweimal vorkam, aber eine Seele haben sie uns nicht gegeben. Diese haben wir vom Urspung unseres Seins an. Unser Ursprung aber liegt weit zurück, nicht in unseren Händen und nicht in den Händen der römisch-katholischen Kirche. Man könnte den Urspung der Menschen mit 'göttlicher Schöpfung' bezeichnen, bei der gewollt wurde, dass das eigene Selbst existiert."

Die Verantwortung für die unvergleichliche Existenz jedes Menschen liegt demnach nicht auf dieser Welt, was also sollen Frauen "bereuen", wenn sie nicht die Verursacher ihrer selbst sind...

Ich denke, Kardinal Joseph Ratzinger kann sich nicht von uns "Reue" erwarten, er müßte sich an Gott wenden und ihn bitten, Frauen gar nicht sein zu lassen, dann wären alle Probleme gelöst...es bräuchte keine "Warnung" vor der Frau, keine Sexualmoral, keine Moraltheologie, keine Exkommunikation von Frauen... die Welt wäre männlich und das wäre "gut" so.

Wenn es uns Frauen gar nicht gäbe, dann bräuchten wir auch gar nicht zu bereuen, dass wir Taten begannen haben, die nur Männern vorbehalten sind. Keine Frau, da sie nicht existiert, würde Anstoß daran nehmen, dass der gesamte Klerus der römisch-katholischen Kirche männlich geprägt sei, keine Frau würde als "Verführerin",""Sünderin","Mutter heimlicher Priesterkindern" oder "Mutter von Priestern heimlich verführter Kinder" leben müssen und Kardinal Ratzinger bräuchte keine DEKRETE zur Exkommunikation von Frauen herauszugeben.

So aber gibt es Frauen und es gibt dieses "DEKRET MIT DER FESTSTELLUNG DER EXKOMMUNIKATION" , das heute, am 10. August 2002 bei einem meiner Söhne vor der Türe lag: Ein Brief ohne Briefmarke, ohne Absendernamen nur mit der Adresse: Postfach 610218, 10923 Berlin. Beinahe hätte ich den Brief weggeworfen, denn er sah aus wie eine Werbung, eben weil ohne Absendernamen, so wie die Werbungen, auf denen steht: "An alle Haushalte." Schön, wenn das daraufgestanden hätte und dazu: "An alle Frauen in allen Haushalten", dann wären alle Frauen der Welt exkommuniziert worden... so ist der Brief ja eigentlich auch gemeint, er richtet sich gegen alle Frauen der Welt, denen Kardinal Ratzinger im Gesamten, egal ob weiß oder schwarz, ob gut oder "böse", ob gebildet oder arm den Zugang zur Mitwirkung in der Leitung der römisch-katholischen Kirche verweigert. Sicher, es sind nicht alle persönlich am 29. Juni 2002 am Boden gelegen und haben sich die Hände von einem Bischof mit der apostolischen Suzkzession auflegen lassen, aber indirekt lagen sie doch alle da, wir 7 waren nur die Stellvertreterinnen, und die Handlung war ein Symbol für all jene, denen die römisch-katholische Kirche für immer und jederzeit den Zugang zum Priesteramt der Frau verbietet. Wir haben uns für alle, die hinter uns stehen, hingelegt, für die Frauen, die bei der Kirche arbeiten und nicht sagen dürfen, was sie denken, für die Nonnen, die ohne Rechte da stehen, für die vielen weiblichen Unterdrückten in dieser Kirche ... wir ließen uns weihen...und lassen uns jetzt dafür prügeln und strafen und bedrohen und exkommunzieren.

Wir haben uns das gut überlegt. 30 Jahre schon arbeiten wir für die Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche, unzählig viele Briefe wurden an Amtsträger und Machtinhaber in der römisch-katholischen Kirche geschrieben. Eine Antwort kam NIE. Alle die heute sagen, wir hätten "Geduld" haben sollen, wir hätten "warten" sollen, denen entgegnen wir: Warten auf was? Besteht denn eine Hoffnung auf "Reue" bei der Amtskirche, die selbst zum Schutz ihrer eigenen Machtstruktur ein Diskussionsverbot über Frauenordination im Jahre 1994 erlassen hat? War denn irgendwo zu erwarten, dass Kardinal Joseph Ratzinger je "Umkehr" und "Reue" für sein die halbe Menschheit diskriminierendes Verhalten zeigen würde? Sollten wir uns selbstzufrieden zurücklehen, zusehen, wie die römisch-katholische Kirche in ihrem künstlich gegen die Frauenwelt errichteten Käfig gefangen bleibt, wie sie die Sexualität zum Hauptthema hochstilisiert, wie das Einhalten des Zölibats zum Hauptkriterium für die Auswahl der Priester wird, wie den wiederverheirateten Geschiedenen die Sakramente vorenthalten werden, wie den Aidskranken das Kondon verwehrt wird, wie Mütter beim Tod ihrer unterernährten Kinder zuschauen müssen, weil ihnen die Empfängnisverhütung versagt wird und wie sich in dem in Not geratenen Klerus heimlich liierte Priester mit heimlich zum Schweigen verurteilten Homosexuellen und heimlich Kinder berührernden Bischöfen treffen? Sollten wir warten bis sich all diese Fehlentwicklungen fortsetzen, wie Menschen leiden, ohne dass auch nur der Ansatz von "Reue" und "Umkehr, den die religiöse Welt seit langem von der katholischen Amtskirche erwartet, sichtbar wird?

Wir wollten und wollen nicht provozieren, wir haben "keine Gemeinschaft mit der Kirche verletzt", wir tragen nur nicht länger alle Irrtümer dieser römisch-katholischen Kirche mit, wir erwarten eine faire und offene Diskussion und wir erwarten auch von Kirchenseite, dass die "Genannten, erleuchtet durch die Gnade des Heiligen Geistes, zur Einsicht gelangen und den Weg zurückfinden..." (Zitat aus dem Dekret von Joseph Kardinal Ratzinger vom 5. August 2002, in dem er den Priesterinnen die Exkommunikation erteilt...)

In diesem Sinne, danke an alle, die uns Mut machen

Dr. Gisela Forster

 
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